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Abdanken bis Abdielen (Bd. 1, Sp. 17 bis 18)
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Artikelverweis  Abdanken, verb. reg. 1. Activum, der bisherigen Dienste entlassen. Seine Bedienten abdanken. Soldaten abdanken. Ein abgedankter Soldat, Officier. Der König von Frankreich hat die Parlaments-Räthe abgedankt. Bey der Reformation wurden die meisten katholischen Geistlichen abgedankt. Einen Minister abdanken. Nach geendigter Jagd werden die Treiber und Jäger abgedankt, wenn man sie aus einander gehen läßt. Ja alsdann dankt man auch wohl den Hund ab, wenn man ihm für seine Dienste schmeichelt, welches auch ablieben genannt wird. Und dann auch figürlich. Scherz und Lachen werden abgedankt, man nimmt ein ernsthaftes Gesicht an. Der abgedankte Schild, Günth. Ein abgedanktes Kleid, ein abgelegtes. Pferde und Wagen abdanken, abschaffen.
   2. Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. a) Ein Amt, einen Dienst niederlegen. Der Minister hat abgedanket. Alle seine Leute danken ab. Pitt dankte aus einem unwürdigen Verdrusse ab, daher erstaunte ganz Europa über seine Abdankung. Man sagt zwar auch, von einem Amte abdanken; aber am häufigsten bedienet man sich doch dieses Zeitwortes absolute, und ohne Beyfügung eines Substantives. b) Abschied nehmen, im weitesten Verstande; doch im Hochdeutschen nur noch von dem Nachtwächter, wenn er mit anbrechendem Morgen zum letzten Mahle abruft. Ehedem war es in weiterer Bedeutung üblich. Der Lazar wird erweckt, und dankt den Würmern ab, Scultet. c) Eine Versammlung mit Dank für ihre Gegenwart entlassen, ohne Accusativ. Bey einer Leiche abdanken, die Abdankung thun, welches vermittelst einer kurzen Rede geschiehet. Im Oberdeutschen sagt man, einer Leiche abdanken.
   Anm. Abdanken in der thätigen Bedeutung des Entlassens führet eigentlich nichts Beleidigendes bey sich, so wie absetzen, welches allemahl ein Vergehen voraus setzet, und denn auch nur von Würden und Ehrenstellen gebraucht wird; dagegen abdanken von viel weiterm Umfange der Bedeutung ist. Man kann auch eben nicht sagen, daß es niedrig wäre; indessen wird es doch nur von geringern Bedienten, von höhern aber nur höchstens in der mittlern Schreibart gebraucht. In der höhern, und von angesehenen Personen wird man allemahl lieber entlassen, und in der neutralen Bedeutung, sein Amt, seine Stelle niederlegen gebrauchen.

[Bd. 1, Sp. 18]


Was die Etymologie betrifft, so dringt sich der Begriff des Dankes gleichsam von selbst auf, und in manchen Bedeutungen, z. B. in der letztern neutralen, ist er unläugbar. Da indessen danken ehedem in mehrern längst veralteten Bedeutungen vorkam, so kann sich auch eine derselben noch in diesem Worte erhalten haben. So bedeutete es auch sprechen und sagen, wie die Latein. dicere und dicare, und so könnte abdanken wohl nach dem Latein. abdicare gebildet seyn. Wenigstens ist der Begriff des Dankens für geleistete Dienste, oder für das anvertraute Amt, in den meisten Bedeutungen so erloschen, daß der bloße Begriff der Entlassung oder Niederlegeung übrig geblieben ist. Hier in Dresden heißt das äußerste Ende der Ränitz-Gasse der Abdankeplatz, weil ehedem die Missethäter bis dahin den Staupbesen bekamen, und dann entlassen wurden.
 
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Die Abdankung, plur. die -en. 1) Die Entlassung eines andern aus seinen Diensten. 2) Die eigene Niederlegung eines Amtes; in beyden Fällen ohne Plural. 3) Die Rede, worin den Leichenbegleitern für die Begleitung gedankt wird. Die Abdankung thun. Eine Abdankung halten. Ingleichen die Danksagungsrede eines Schauspielers an die Zuhörer, nach geendigtem Schauspiele.
 
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Die Abdankungsrède, plur. die -n, wie das vorige in der letzte Bedeutung. Es muß diese Rede nicht mit der Standrede oder Parentation verwechselt werden.
 
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Abdarben, verb. reg. act. et reciproc. bis zu dem Grade des Darbens oder Nothleidens entziehen. Ich darbe es meinem Leibe, ja meiner Seele selbst ab, Gell. Sie darbten sich oft das frische Wasser ab, Ebend. Ich habe meinem eigenen Maule den Bissen abgedarbt, Ebend. Es ist eigentlich ein Reciprocum. Gebraucht man es ja als ein Activum, so kann es doch nur von den Theilen dessen gebraucht werden, der sich etwas abdarbet, wie aus obigen Beyspielen erhellet. Einem andern etwas abdarben, ist nicht gebräuchlich.
 
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Abdarren, S. Adelung Abdörren.
 
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Abdêcken, verb. reg. act. 1) Die Decke einer Sache, und was deren Stelle vertritt, wegnehmen. Das Dach abdecken. Noch mehr aber metonymisch, eine Sache ihrer Decke berauben. Den Tisch abdecken. Das Haus abdecken. Der Wind hat das ganze Haus abgedeckt. 2) Figürlich deckt der Jäger das Wild ab, wenn er es auswirkt; im Oberd. ihm die Decke abnehmen. Ferner wird es in der anständigen Sprechart für das niedrige schinden gebraucht, d. i. dem umgefallenen Viehe die Haut abziehen. So auch die Abdeckung. 3) Derb ausprügeln, im gemeinen Leben, so wie zudecken; wo es wohl eigentlich nicht zu Decke gehöret, sondern eine unmittelbare Onomatopöie ist, wie das bekannte tax, tax erit in tergo tuo.
 
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Der Abdècker, des -s, plur. ut nom. singul. eine etwas anständigere Benennung dessen, was der Pöbel einen Schinder nennet. S. Adelung Kafiller und Schinder.
 
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Die Abdèckerey, plur. die -en; 1) das Amt eines Abdeckers, und 2) dessen Wohnung.
 
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Das Abdêckerlêder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. dasjenige Leder, welches von dem Abdecker dem gefallenen Viehe abgezogen worden; im Gegensatze dessen, was die Fleischer abziehen.
 
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Abdeichen, verb. reg. act. in den Marschländern, vermittelst eines Deiches absondern, einschließen, S. Adelung Deich. Daher die Abdeichung.
 
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Abdielen, verb. reg. act. 1) Mit Dielen oder Bretern absondern. Eine Kammer abdielen. 2) Mit den gehörigen Dielen versehen; dielen bedielen. Den Fußboden, ein Zimmer, abdielen.