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Abbreiten bis Abbüßen (Bd. 1, Sp. 14 bis 16)
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Artikelverweis  Abbreiten, verb. reg. act. ein Kunstwort der Kupferhämmer, für breit machen, oder schlagen; besonders von dem gegossenen Kupfer, wenn es unter dem Breithammer zu breiten Scheiben geschlagen wird; auch abpochen. Daher die Abbreitung.
 
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Abbrênnen, verb. irreg. (S. Adelung Brennen,) welches auf gedoppelte Art üblich ist.
   I) Als ein Activum, da es auch zum Theil schon regelmäßig conjugiret wird, ich brennete ab, abgebrennet, obgleich die irreguläre Form, brannte ab, abgebrannt, noch die gewöhnlichste ist. (1) Durch Feuer absondern. Die Haare abbrennen. Eine Warze mit einem glühenden Eisen abbrennen. (2) Durch Feuer zerstören, in die Asche legen, von großen Massen. Die Feinde haben die Stadt, das Haus, das Dorf u. s. f. abgebrannt oder abgebrennet. Einen Wald abbrennen, um Acker daraus zu machen, welches auch abschwenden heißt; ingleichen metonymisch, den Acker abbrennen, d. i. das Gras, oder die Stoppeln auf demselben abbrennen. (4) Anzünden, losbrennen, besonders von Feuerwerken und Schießgewehren. Ein Gewehr, eine Kanone abbrennen. Das Feuerwerk wird bald abgebrennet werden. In der Chymie bedeutet es, Weingeist über gewisse Körper verbrennen lassen. Ingleichen, entzündbare, besonders mineralische Körper in einem glühenden Schmelztiegel plötzlich entzünden. Geschiehet dieses mit einem merklichen Knalle, so heißt es verpuffen. (4) Das Brennen einer Sache vollenden, ingleichen, einem Körper durch das Feuer die gehörige Vollkommenheit geben, und auf diese Art wird das Zeitwort in verschiedenen Künsten und Handwerken gebraucht. So bedeutet es z. B. bey den Ziegelstreichern und Kalkbrennern so viel, als dem Ofen mit Reisholze die letzte Hitze geben, welches auch ausbrennen genannt wird. Bey den Töpfern, die getrockneten Gefäße gehörig brennen. In der Schmelzkunst heißt abbrennen, das Blicksilber durch das Feuer von aller Unart reinigen; wo aber auch der Begriff der Verminderung Statt finden kann. S. Abbrand. Bey den Gelbgießern ist abbrennen auf eine sehr uneigentliche Art, die Farbe des Messinges mit Scheidewasser

[Bd. 1, Sp. 15]


erhöhen, indem man es damit bestreicht und es alsdann schnell in kaltes Wasser steckt, damit das Messing von dem Scheidewasser nicht zu sehr angegriffen werde. Auf ähnliche Art bezeichnet es bey den Eisenarbeitern die Härtung des Eisen und Stahles, wenn solches durch Ausglühung und nachmahlige Ablöschung geschiehet. Auf den Blechhütten hingegen ist abbrennen so viel, als die Eisenbleche zum ersten Mahle in das flüssige Zinn tauchen, um sie dadurch zu verzinnen; bey welchen Arten des Gebrauches der Grund der Benennung zuweilen freylich etwas dunkel ist. So auch die Abbrennung, in allen Bedeutungen des Activi.
   II) Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt, und allemal irregulär conjugiret wird. (1) Niederbrennen, durch Feuer verwüstet werden, von Gebäuden, Wäldern und hohen Massen. Das Haus brannte ab. Die Stadt ist abgebrannt. Ingleichen seine Wohnung durch Feuer verlieren. Unsere Freunde sind abgebrannt. Ein abgebrannter Mann, der das Seinige in einer Feuersbrunst verloren hat. (2) Entzündet werden. Das Gewehr muß schnell abbrennen. (3) Durch Feuer abgesondert werden. Der Ast ist abgebrannt. (4) In der Feuerwerkskunst, sich fruchtlos entzünden, versagen. Das Zündkraut ist abgebrannt.
   Anm. Der Unterschied in der Conjugation zwischen dem Activo und dem Neutro hat seinen guten Grund, ob er gleich noch von den wenigsten beobachtet wird; S. Adelung Brennen. In einigen Fällen ist es gleichgültig, ob man das Activum oder Neutrum gebraucht. So kann man sagen ein abgebrennetes Haus, und ein abgebranntes Haus; weil hier beyde Bedeutungen Statt finden können. Einen abbrennen, für, sein Haus und Vermögen in die Asche legen, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. In Österreich heißt Abbranntler, einer der für abgebrannte Kirchen sammelt.
 
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Abreviīren, verb. reg. act. aus dem mitlern Lat. abbreviare, doch nur in der Grammatik. Ein Wort abbreviiren, es abkürzen. Daher die Abbreviatūr, plur. die -en, die Abkürzung, ein abgekürztes Wort.
 
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Abbringen, verb. irreg. act. (S. Adelung Bringen.) 1) Eigentlich wegbringen, wegschaffen. Ich kann den Schmutz nicht abbringen. In der Landwirtschaft bringt man das Heu, das Getreide ab, wenn man es abmähet, oder abschneidet. 2) Figürlich. a) Entfernen. Einen von dem rechten Wege abbringen. Ich bin dadurch ganz von meinem Gegenstande abgebracht worden. b) Bewegen, etwas fahren zu lassen. Einen von seiner Meinung, von seinem Sinne, von seinem Vorhaben abbringen. Nichts konnte ihn von dem Müßiggange abbringen. c) Aufhören machen, von Gebräuchen und Gewohnheiten. Eine Gewohnheit, ein Recht, eine Mode abbringen; besonders wenn solches nach und nach, durch bloße Unterlassung der Ausübung geschiehet. Geschiehet es durch einen Befehl, so heißt es eigentlich abschaffen, obgleich dieses im gemeinen Leben auch abbringen genannt wird. Daher die Abbringung in den obigen Bedeutungen.
 
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Abbröckeln, verb. reg. act. in Gestalt kleiner Brocken abbrechen. Den Kalk von der Mauer abbröckeln. Sich abbröckeln, in kleinen Brocken herab fallen. So auch die Abbröckelung.
 
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Der Ábbrúch, des -es, plur. die -üche, von dem Verbo abbrechen, in einigen figürlichen Bedeutungen. 1) Die Handlung des Abbrechens, so wohl in der eigentlichen Bedeutung, besonders in den Bergwerken, als auch in den uneigentlichen des Abzuges am Preise, am Gelde; ohne Plural. Ich muß ohne Abbruch bezahlet werden. Sich Abbruch thun, sich an der Nothdurft und am Vergnügen etwas abbrechen. In den Marschländern bedeutet Abbruch, Nieders. Afbrake, Afdrang, das

[Bd. 1, Sp. 16]


Wegspühlen eines angesetzten Landes oder Ufers durch die Wellen oder den Strom. 2) Dasjenige was abgebrochen ist, besonders in den Bergwerken, ingleichen in den Marschländern, ein von dem Wasser wieder weggespühltes Land; mit dem Plural. Bey den Schriftgießern ist Abbruch das überflüssige Metall, welches über der Form stehen bleibt, und abgebrochen wird. Am häufigsten aber 3) in figürlicher Bedeutung, für Verminderung des Vermögens, des Ansehens, des Rechtes, der Würde, wofür auch das sich weiter erstreckende Nachtheil gebraucht wird; ohne Plural. Einem Abbruch thun. Abbruch an seiner Ehre, an seinem guten Nahmen, an seinem Vermögen leiden. Dadurch geschiehet seinem Ansehen Abbruch. Den Gesetzen Abbruch thun. Zuweilen auch für Schaden, Nachtheil überhaupt. Dem Feinde vielen Abbruch thun. Im Bergbaue ist dem harten Gesteine Abbruch thun, es durch geschickte Mittel brechen.
   Anm. Das Beywort abbrüchig, könnte allenfalls etwas bedeuten, das sich leicht abbrechen läßt. Allein, wenn es einige für nachtheilig gebrauchen, so ist das völlig wider die Natur der Beywörter auf -chig. Eben dieses gilt auch von unabbrüchig.
 
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Abbrühen, verb. reg. act. 1) Mit heißem Wasser wegbringen. Die Federn, die Haare abbrühen; und dann auch metonymisch, ein Huhn ein Schwein abbrühen, demselben die Federn, die Haare abbrühen. 2) Gehörig brühen. Das Kraut wohl abbrühen.
 
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Abbrunsten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, bey den Jägern, die Brunsthitze abgekühlet haben, aufhören zu brunsten. S. Adelung Brunst.
 
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Abbuden, verb. reg. neutr. mit haben, die Buden abbrechen, im gemeinen Leben.
 
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Abbürsten, verb. reg. act. mit der Bürste wegschaffen; den Staub abbürsten. Ingleichen metonymisch, mit der Bürste reinigen; den Hut, das Kleid u. s. f. abbürsten.
 
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Abbüßen, verb. reg. act. durch Buße, d. i. Reue, Strafe, oder Genugthuung tilgen. Seine Sünden abbüßen. Ein Verbrechen mit Gelde abbüßen. Daher die Abbüßung.