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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Abbiegen bis Abblasen (Bd. 1, Sp. 11 bis 12)
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Artikelverweis  Abbiegen, verb. irreg. act. (S. Adelung Biegen,) durch Biegen entfernen oder absondern. Die Sprößlinge der Nelken zum Verpflanzen abbiegen. Daher die Abbiegung.
   Anm. Die vollere Alemannische Mundart sagt für abbiegen, abbeugen, und hierin folgt ihr die erhabene, dichterische Schreibart der Hochdeutschen, weil abbeugen wegen des breiten Doppellautes den Mund mehr füllet. S. Adelung Beugen und Biegen.
 
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Abbiethen, verb. irreg. act. (S. Adelung Biethen.) Einen abbiethen, mehr biethen, als ein anderer, und ihn dadurch vertreiben; edler, ihn überbiethen. In einigen Gegenden auch wie aufbiethen, proclamiren, da denn Abgeboth so viel wie Aufgeboth ist.
 
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Das Abbild, des -es, plur. die -er, ein im Hochdeutschen seltenes Wort für Bildniß.
   Wie angenehm ist doch die Liebe!
   Erregt ihr Abbild zarte Triebe;
   Was wird das Urbild selber seyn?
   Hall. Ingleichen in weiterm Verstande, das was einem andern Dinge ähnlich ist.
   Die Sonne quoll hervor, wie Ruh aus Güte quillt,
   Sie, Gottes Abbild selbst, verließ ihr Ebenbild
   In die vor Dankbarkeit mir abgefloßne Zähre,
   Withof. In einer Urkunde Königs Johann von Böhmen von 1334 bedeutet dieses Wort so viel als ein Beyspiel: darum, daß andere Leuthe dar Abbilde nehmen.
 
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Abbilden, verb. reg. act. 1) Eigentlich, die Gestalt einer Sache auf sinnliche Art nachahmen, ein Bild von einem Dinge machen. Einen Garten abbilden. Eine Frucht in Wachs abbilden. Gott unter menschlicher Gestalt abbilden. 2) Figürl. überhaupt so viel, als lebhaft vorstellen, wofür doch schildern edler und üblicher ist. 3) Ein Vorbild einer Sache seyn. Moses bildete Christum ab.
 
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Die Abbildung. 1) Die Handlung des Abbildens; plur. inusit. 2) Das dadurch entstandene Bild, oder die dadurch entstandene Vorstellung selbst; wofür doch Bild, Bildniß, Nachbild u. s. f. üblicher sind. Plur. die -en.
 
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* Abbilligen, verb. reg. act. welches nur noch in dem Kanzelley-Style einiger Gegenden üblich ist, gerichtlich absprechen, aberkennen; wie zubilligen, zuerkennen. Von dem veralteten Bill, Recht, S. Adelung Billig.
 
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Abbinden, verb. irreg. act. (S. Adelung Binden.) 1) Was angebunden war, durch Auflösung des Bandes los machen. Den Mantelsack abbinden. Den Wein im Herbste abbinden. 2) In einer Entfernung von dem andern anbinden; daher in der Landwirtschaft, ein Kalb abbinden, figürlich so viel als es entwöhnen, weil es alsdann besonders angebunden und allein gestellet wird. 3) Durch Binden, oder durch ein angelegtes Band absondern. Eine Warze, eine Ader, ein Fleischgewächs, ein Glied abbinden; bey den Wundärzten. 4) Die Verbindung einer Sache zu Stande bringen, völlig fertig binden. So heißt bey den Zimmerleuten, ein Gebäude abbinden, so viel, als alle Säulen, Bänder, Riegel, Schwellen u. s. f. gehörig mit einander verbinden; ingleichen bey den Faßbindern, ein Faß abbinden, es mit allen gehörigen

[Bd. 1, Sp. 12]


Reifen oder Bändern versehen. Daher die Abbindung, in allen obigen Bedeutungen.
 
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Der Ábbíß, des -sses, plur. die -sse, überhaupt die Handlung des Abbeißens, ohne Plural; der Ort, wo etwas abgebissen worden, und das abgebissene Stück selbst, mit dem Plurale. Besonders, 1) bey den Jägern, der Ort, wo das Wildpret das junge Laubholz, Getreide u. s. f. abgebissen hat. 2) Abbiß, oder Teufelsabbiß, eine Pflanze, welche zu den Scabiosen gehöret, Scabiosa succisa, L. Den Nahmen hat sie daher, weil ihre Herzwurzel kurz abgebissen zu seyn scheinet, welches der Aberglaube dem Teufel zuschrieb, und sich daher dieser Pflanze wider vorgegebene Bezauberungen bediente. Engl. Devilsbit.
 
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Die Abbitte, plur. inusit. die Bitte um Vergebung eines begangenen Fehlers oder Verbrechens. Abbitte thun. Einem Abbitte thun. Eine gerichtliche Abbitte, welche vor Gerichte geschiehet. Die R. A. kniende Abbitte thun, rühret aus der Oberdeutschen Mundart her, wo man den Particip. Activ. wenn sie adverbialiter stehen, ein e anzuhängen pfleget; richtiger kniend Abbitten thun.
 
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Abbitten, verb. irreg. act. (S. Adelung Bitten,) durch Bitten gleichsam tilgen oder auslöschen, einer Vergehung wegen um Vergebung bitten. Einem etwas abbitten. Dagegen etwas abbitten ohne Dativ nicht so gewöhnlich ist.
   Denn er kam nicht, um Fehler abzubitten.
   Gieseke.
 
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Abblasen, verb. irreg. (S. Adelung Blasen.) 1) Activum. (a) Durch Blasen wegbringen, den Staub abblasen; und dann auch metonymisch, das Buch abblasen, den Staub von dem Buche blasen. (b) Ein Lied abblasen, dessen Melodie von einem höhern Orte, z. B. einem Thurme, blasen. (c) Durch das Blasen auf einem Instrumente von einem höhern Orte verkündigen. Der Wächter bläs't die Stunden ab. Ein Fest abblasen. (d) Das Ende einer Zeit oder Handlung durch Blasen verkündigen. So wird in Schweden der Reichstag von dem Thurme abgeblasen.
   2) Neutrum, mit haben. (a) Zum Abzuge blasen.
   Der Obergott war froh, befahl, nun abzublasen,
   Opitz. Auf gleiche Art bedeutet es bey den Jägern, das Ende der Jagd durch das Hifthorn verkündigen. (b) Zum letzten Mahle blasen. Der Wächter bläst ab. (c) Aufhören zu blasen. Daher das Abblasen, seltener die Abblasung, und dieses nur zuweilen in den thätigen Bedeutungen.