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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Aaskopf bis Abänderung (Bd. 1, Sp. 5 bis 8)
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Artikelverweis Der Aaskopf, des -es, plur die -köpfe, in der Baukunst, ein Zierath der Dorischen Ordnung, besonders in den Friesen und Zwischentiefen, welcher dem Kopfe eines todten und von der Haut entblößten Opferthieres gleicht.
 
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Die Aaspocke, plur. die -n, S. Adelung Aasblatter.
 
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Die Aasseite, plur. die -n, bey Lederarbeitern, diejenige Seite des Leders, welche auf dem Fleische gewesen ist; edler die Fleischseite.
 
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Das Aaß, Nahrung, Speise, Aaßen, fressen, S. Adelung und Aßen.
 
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Áb, eine Partikel, welche in gedoppelter Gestalt vorkommt.
   I. Für sich allein, und als ein eigenes Wort.
   1. Als ein Umstandswort, (a) eine Trennung, Absonderung zu bezeichnen; doch nur im gemeinen Leben. Der Kopf ist ab. Kopf ab! Hand ab! (b) Für hinab, und figürlich, eine Entfernung zu bezeichnen, in Verbindung mit auf. Den Berg auf und ab fahren, gehen, reiten, d. i. bald hinauf, bald hinab, und figürlich sich bald nähern, bald entfernen. Nach einer noch weitern Figur ist auf und ab im gemeinen Leben so viel als ungefähr: zehn Thaler auf und ab.
   2. Als eine Präposition, für von, an, vor und aus; in welcher Gestalt es im Hochdeutschen völlig veraltet ist, aber noch im Oberdeutschen lebt: ab dem Wege kommen, ab den Augen gehen, einen Gräuel ab den Gtzen haben. Daher auch die gleichfalls nur Oberdeutschen Zusammensetzungen, abhinnen, von hinnen, bevorab, zumahl, hierab, hiervon, hieraus, worab, woraus, abhanden. (S. dieses Wort.) u. s. f.
   II. In der Zusammensetzung, in welcher Gestalt es im Hochdeutschen am üblichsten ist, und am häufigsten mit Verbis gebraucht wird. Es vertritt alsdann die Stelle des Vorwortes von, mit

[Bd. 1, Sp. 7]


welchem keine Verba zusammen gesetzet werden können, und bezeichnet überhaupt eine Trennung und Absonderung, deren besondere Art durch das beygefügte Zeitwort näher bestimmt wird. Insbesondere aber,
   1) eine Entfernung von einem höhern Orte nach einem niedrigern, in welcher Bedeutung es für hinab, oder herab steht, wie in abfallen, abfließen, abhangen, abhängig, abklappen, abnehmen, für herab nehmen, absteigen u. s. f. Und hierher gehören auch die Umstandswörter bergab, herab, hinab und abwärts.
   2) Eine Entfernung von einem Orte, so wohl in eigentlicher als uneigentlicher Bedeutung, für weg, oder hinweg; als abgehen, abtreten, abreisen, abfahren, abstehen, abziehen u. s. f. in welchem Falle der terminus a quo als ein höher gelegener Ort voraus gesetzet wird. Hiermit ist,
   3) der Begriff der Trennung oder Absonderung verbunden, wie in abbeißen, abblasen, abpflücken, abbürsten, abstreifen, abschneiden u. s. f. wobey sich die Partikel ab so wohl auf diejenige Sache beziehet, welche abgesondert wird, als auch metonymisch auf die, von welcher die Absonderung geschieht. Denn man sagt so wohl, den Staub abbürsten, (nehmlich von dem Kleide) als auch das Kleid abbürsten; die Federn abrupfen, (nehmlich der Gans) und die Gans abrupfen u. s. f. Doch läßt sich diese letztere Wortfügung nicht in allen Fällen gebrauchen, sondern nur da, wo der Gebrauch sie, um der Kürze willen, eingeführet hat. Ingleichen,
   4) der Begriff der Erreichung, wie in abgehen, ablangen, absehen, abspannen u. s. f. durch gehen, langen, sehen, spannen erreichen. Aus diesen vier Bedeutungen, welche man als die eigentlichen ansehen kann, fließen folgende figürlichere:
   5) des Verminderns und Tilgens, wie in abbüßen, abarbeiten, abdienen, absitzen u. s. f. das ist, eine Schuld oder Strafe durch Buße, Dienste, Arbeit, Verhaft u. s. f. vermindern und bezahlen; ingleichen,
   6) des Entkräftens und Schwächens, als abängsten, abtreiben, (ein Vieh), sich abseufzen, sich abweinen u. s. f. Die meisten Zeitwörter dieser Art sind niedrig, und nur dem gemeinen Gebrauche zu überlassen.
   7) Der Nachbildung, der Übertragung der Gestalt einer Sache auf die andere, wie in abbilden, abmahlen, abschreiben, abzeichnen u. s. f.
   8) Der Vollendung, weil man von demjenigen abzulassen, oder sich zu entfernen pfleget, was seine Endschaft und Vollkommenheit erreicht hat, wie abfůttern, abkochen, abbrauen, absieden, abspeisen neutr. das Ableben u. s. f. Auch von diesen Zeitwörtern sind viele niedrig und nur im gemeinen Leben üblich. In andern ist der Begriff der Vollendung etwas versteckter, und da dienet das ab,
   9) zum Theil die Bedeutung des darauf folgenden Zeitwortes zu verstärken, wie in abglühen, abprügeln, abscheiden, Abschied, abschließen (eine Rechnung), absondern, absterben, abwägen u. s. f. obgleich auch bey vielen dieser Zeitwörter der Begriff der Entfernung, Vollendung u. s. f. Statt findet. Endlich
   10) bezeichnet es auch vor einigen Wörtern, die nicht von Verbis herkommen, so viel als das Gegentheil dessen, womit es verbunden ist; wie in Abgott, Abgrund, Abgunst, abhold, abgeschmackt, wo die Bedeutung gleichfalls eine Figur der Entfernung ist.
   Anm. 1) In Ansehung der Conjugation gehöret ab zu den trennbaren Partikeln, weil es sehr oft von seinem Verbo getrennt wird; ich messe ab, maß ab, nicht ich abmesse, abmaß. Es hat daher auch allemahl den Hauptton: abbringen, Ábart, Ábbruch,

[Bd. 1, Sp. 8]


obgleich in solchen Fällen, wo auf das ab noch eine Partikel folgt, um der Länge des Wortes willen, das Verbum einen merklichern Nebenton bekommt als in andern Fällen: áberkénnen, ábgewínnen, ábverdíenen.
   2)Ab, Nieders. Holl. Goth. Schwed. und Dän. af, Angels. und Engl. of, Griech. απο und κφ, und Latein. ab, abs, ist ein sehr altes Stammwörtchen, welches in den meisten Sprachen angetroffen wird. Wenn es so viel als hinab bedeutet, so gebrauchen die Niedersachsen dafür ihr daal; als daalbreken, daalriten u. s. f. für abbrechen, abreißen. Luthers abe, welches in der Deutschen Bibel häufig vorkommt, ist veraltet.
 
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Abaasen, verb. reg. act. bey den Gärbern, die Häute auf der Fleischseite abschaben; S. Adelung Aasen.
 
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Sich Abächzen, verb. reg. recipr. sich durch Seufzen oder Ächzen entkräften; im gemeinen Leben.
 
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Abackern, verb. reg. act. durch ackern oder pflügen absondern, entziehen. Einem eine Furche, ein Stück Feldes abackern, abpflügen.
 
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Abändern, verb. reg. act. 1) Eigentlich, ein wenig ändern, d. i. in Nebenumständen anders bestimmen. Ein Kleid abändern, ein wenig ändern. Besonders zur Vermeidung der Einförmigkeit. Pope hat seine Perioden ungemein abgeändert, Dusch. Seine Schreibart abändern. Den Unterschied von ändern, umändern und verändern, S. in diesen Wörtern. 2) Bey einigen neuern Sprachlehrern bedeutet es so viel, als decliniren, d. i. durch Casus verändern; wo doch das Wort Begriff nicht erschöpft. 3) Im Kanzelley-Style ist abändern so viel als ändern überhaupt. Einen Mißbrauch abändern, ihn aufheben, wegschaffen, einen Befehl abändern, ihn widerrufen.
 
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Abänderlich, adj. et. adv. was abgeändert werden kann oder darf, in allen Bedeutungen des Verbi.
 
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Die Abänderung, plur. die -en. 1) Eine geringe Änderung, andere Bestimmung in Nebendingen. Einförmige Perioden ohne alle Abänderung. In der Naturlehre ist daher Abänderung so viel als Spielart, Varietas, d. i. die zufällige Abweichung von andern Körpern Einer Art, und dieser Körper selbst. 2) Bey einigen Sprachlehrern, die Declination. 3) In den Kanzelleyen, die Änderung, Aufhebung.