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Aalwèhr bis Aaskäfer (Bd. 1, Sp. 5)
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Artikelverweis Das Aalwèhr, des -es, plur. die -e, ein durch Zäune oder Pfähle verengter Ort in einem Flusse, vor welchen man Hamen oder Fischkörbe stellet, Fische und besonders Aale darein zu fangen. Nieders. Aallegge, von Lage, Nachstellung.
 
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Der Aar, des -en, plur. die -en, (nicht Aare), eine sehr alte Benennung aller großen Raubvögel, und besonders des Adlers, welche heut zu Tage noch am meisten in Niedersachsen üblich ist.
   So wie der Aar das Huhn, der Hecht die Gründel frißt.
   Opitz.
   Bald werdet ihr im Meer der Hayen, am Gestade
   Der Aaren Beute seyn.
   Raml. Anm. Frisch und Wachter haben die Übereinstimmung dieses Nahmens in den ältern und neuern Sprachen sehr gut gezeiget, daher ich hier weiter nichts hinzu setzen will, als das ér noch jetzt in Bretagne einen Adler bedeutet, und daß die erste Hälfte des Latein. Aruspex vermuthlich auch hierher gehöret, so wie die letzte Hälfte zu dem Geschlechte des alten spähen gerechnet werden kann.
 
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Aaron, eine Pflanze, S. Adelung Arum.
 
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Die Aarweihe, plur. die -n, eine Art Weihen oder Geyer, welche dem Aaren oder Adler ähnlich ist; ein Benennung, welche größten Theils nur in Niedersachsen vorkommt. In einigen Gegenden gebraucht man es, so wie das einfache Weihe, männlich, der Aarweihe.
 
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Das Aas, des Aases, plur. die Äser. 1. In die Fäulniß gegangenes Fleisch eines gefallenen Thieres; ohne Plural. Es stinkt wie Aas. S. auch Luder. Luthers Aas vom eßbaren Fleische geschlachteter Thiere ist veraltet, und gehöret vermuthlich auch zu Aß. 2. Ein riechender todter Körper, mit dem Plural; eigentlich nur von Thieren, im verächtlichen Verstande auch von Menschen.
   Auf jeder Küste liegen Äser von Barden.
   Ebert. Im gemeinen Leben im verächtlichsten Verstande auch von lebendigen Personen, besonders weiblichen Geschlechtes.
   Anm. Dieses Wort ist mit dem folgenden Aß, von essen, nicht zu verwechseln, von welchem es sich auch in der gelindern Aussprache des s in der Verlängerung des Wortes unterscheidet. Es lautet schon im 10ten Jahrh. As und Az, bald darauf aber Aweis und Auwesel, von welchen letztern Formen doch noch ungewiß ist, ob sie bloße Verlängerungen der ersten sind. 1477 lautete der Plural in Schwaben Osse und noch in Luthers Bibel die Aase. Der Stammbegriff scheint Fäulniß, Schmutz zu seyn; daher ist noch im Niederstichsischen asig, schmutzig, naß, asen, schmutzige Arbeit verrichten, ingleichen, auf eine ekelhafte Art in etwas herum wühlen, sich zuasen, sich beschmieren.
 
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Die Aasblatter, plur. die -n, bösartige schwarze, stinkende Blattern; in Niedersachsen Aaspocken.
 
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Aasen, verb, reg. act. nur bey den Gärbern, das Aas oder Fleisch auf der linken Seite der Felle abschaben, sie abaasen; wofür die Kürschner fleischen gebrauchen.
 
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Die Aasfliege, plur. die -n, eine Art gemeiner großer Fliegen, welche sich gern bey dem Aase aufhält; die Fleischfliege, Schmeißfliege, Musca cadaverina, L.
 
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Aasfrèssend, adj. ein Beywort solcher Thiere, welche sich von dem Aase nähren, und von den fleischfressenden noch unterschieden werden können; im gemeinen Leben aasfressig.
 
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Der Aasgeyer, des -s, plur. ut. nom. sing. eine allgemeine Benennung aller derjenigen Geyer, welche nicht auf den Raub ausgehen, sondern sich von Äsern nähren; Roßgeyer, weil sie den gefallenen Pferden nachgehen; bey den ältern Schriftstellern Keibgeyer, von dem veralteten Keib, Aas. Martini in dem Schaupl. der Natur und andere hingegen, nennen den Hasengeyer oder Gänseaar, die größte Art unter den Raubgeyern, den Aasgeyer.
 
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Der Aaskäfer, des -s, plur. ut. nom. sing. eine Art Käfer, welche sich im Aase aufhalten, und daher sehr stinken; Silpha, L. S. Adelung Gräber und Todtengräber.