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Aa bis Aalmutter (Bd. 1, Sp. 3 bis 4)
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Artikelverweis  Aa, das Zeichen eines gedehnten a, welches erst in den spätern Zeiten, aber nur in einigen wenigen Fällen eingeführet worden, wovon ich die Ursachen in der Orthogr. Th. 1, S. 240 entwickelt habe. Diejenigen, welche die Laute mit ihren Zeichen verwechseln, rechnen auch dieses a unter die Doppellaute. Siehet man aber, wie doch billig ist, bloß auf den Laut, so lässet es sich so wenig unter die Diphthongen zählen, als das ah und alle übrige gedehnte Vocale. Einige haben es wieder abschaffen wollen, weil man dessen Gebrauch in den ältesten Zeiten nicht findet; allein da es heut zu Tage in einigen Wörtern, als Aal, Aas, Aar, Haar, Paar, Schaar, Quaal, Saal u. s. f. überall angenommen ist, und das Alterthum an und für sich nirgends weniger Richter seyn kann, als in der Sprache: so würde solches eine so vergebliche als unnöthige Neuerung seyn. In der Verlängerung des Wortes wird dieses aa oft in ein gedehntes ä verwandelt, als Äser, quälen, Älchen, Härchen, Pärchen u. s. f. In andern aber bleibt es, als die Aale, die Haare, haarig, paaren u. s. f. In den

[Bd. 1, Sp. 4]


ausländischen Wörtern macht es zwey Sylben aus, als Aaron, Baal.
 
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Der Aal, des -es, plur. die Aale, Diminut. das Älchen. 1) Eigentlich ein bekannter Fisch mit einem langen und schlüpfrigen Körper, wovon die gewöhnlichste eßbare Art in süßen Wassern lebt; Muraena Anguilla, L. Seine Schlüpfrigkeit hat einige sprichwörtliche Redensarten veranlasset, welche aber nur im gemeinen Leben üblich sind. 2) Figürlich, in den Küchen, ein Gebackenes aus Butterteige in Gestalt eines Aales. Bey den Tucharbeitern die falschen Brüche, welche bey dem Walken in den Tüchern entstehen. Älchen nennet man auch die kleinen länglichen Würmer in dem Sauerteige, Essige und andern sauern Körpern, welche lebendige Jungen zur Welt bringen; auch Essigaale, Kleisteraale.
   Anm. 1) Wachters Ableitung ist zu gezwungen. Frisch hingegen hat die Übereinstimmung der Deutschen Benennung mit dem Nahmen dieses Fisches in der übrigen Europäischen und der Hebräischen Sprache glücklicher gezeiget. Nach ihm liegt der Grund der Benennung in der Schlüpfrigkeit; worin ihm auch Herr Ihre beypflichtet. Man könnte ihn aber auch aus der Länge und geringen Dicke dieses Fisches herleiten; denn es scheint, daß Al oder El in den ältesten Sprachen einen jeden langen, dünnen und spitzigen Körper bedeutet habe. S. Ahl und Elle.
   2) In einigen Oberdeutschen Gegenden declinirt man der Aal, des Aalen, u. s. w., und im Plur. die Aalen. In andern Gegenden ist es weiblichen Geschlechts, die Aal, und in der Schweiz macht man den Plur. Äle.
   3) Die großen Aale werden in und um Bremen Pann-ale, die mittlern aber Pinnken genannt. Eine Art mit einem dicken Kopfe heißt im Lauenburgischen Klanskopf. Aale, die in trüben Wassern leben, werden in Holland schlechthin Aale, in Deutschland aber Mooraale genannt, dagegen die Aale aus frischen Wassern in Holland Paaling heißen.
 
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Aalbeere, S. Adelung Alantbeere.
 
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Die Aaleidèchse, plur. die -n, eine Art ausländischer Eidechsen mit einem langen aalförmigen Körper, Lacerta anguina L.
 
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Aalen, Aale fangen, ist nur in gemeinen Sprecharten üblich.
 
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Der Aalfang, des -es, plur. die änge. 1) Der Fang oder das Fangen der Aale und dessen Art und Weise. 2) Die Zeit, wenn dieser Fisch am bequemsten zu fangen ist; und 3) der Ort, wo solches geschiehet. Der Plur. ist nur in dieser letzten Bedeutung üblich.
 
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Die Aalgabel, plur. die -n, eine eiserne Gabel mit drey Zacken, welche mit Widerhaken versehen sind, die Aale damit auf dem Grunde anzuspießen. Sie heißt auch das Aaleisen, der Aalstecher, der Aalstachel, ingleichen der Dreystachel.
 
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Der Aalhälter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ort, wo die gefangenen Aale im Wasser aufbehalten werden.
 
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Der Aalkasten, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art des Aalfanges, welche in einem Gebäude an solchen Wassern bestehet, die einen Fall haben, in welchen der Aal zu gewissen Zeiten häufig gefangen wird.
 
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Aalkirsche, S. Ahlkirsche
 
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Die Aalmutter, plur. die -mütter, eine Art Meergroppen, welche keinen Kamm auf dem Kopfe trägt, und lebendige Jungen gebieret, Blennius Mustela vivipara, L. Bey einigen auch Aalfrau, in Schweden Tannlacke. Von einigen wird auch die Aalraupe mit diesem Nahmen belegt.