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Zaun bis Zaunpfahl (Bd. 4, Sp. 1660 bis 1661)
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Artikelverweis Der Zaun, des -es, plur. die Zäune, Diminut. das Zäunchen, Oberd. Zäunlein. 1. Eine jede Befriedigung, das, womit etwas umgeben wird; welche Bedeutung ohne Zweifel die älteste ist, daher noch bey dem Notker Steinzun eine Mauer bedeutet. In dem Salzwerke zu Halle ist noch etwas von dieser Bedeutung übrig, indem die lehmerne Wand hinter der Feuermauer daselbst der Zaun genannt wird. In dieser weitern Bedeutung ist das Wort veraltet; indem man es 2. nur noch in engerer gebraucht; eine aus Reisholz geflochtene Befriedigung zu bezeichnen. Ein todter Zaun, eine solche Befriedigung von abgehauenem Reisholze, welche auch am häufigsten ein Zaun schlechthin genannt wird; im Gegensatze eines lebendigen Zaunes, welcher doch unter dem Nahmen einer Hecke am bekanntesten ist. Einen Zaun machen. Mit einem Zaune umgeben. Einen Vorwand vom Zaune brechen, im gemeinen Leben, den ersten den besten Vorwand zur Ursache anführen. Er ist nicht vom Zaune gebrochen, nicht hinter dem Zaune aufgewachsen, auch nur im gemeinen Leben, er ist nicht von verächtlicher Herkunft.
   Anm. Im Oberd. von den frühesten Zeiten an Tune, im Nieders. Tuun. Gemeiniglich leitet man es von dem Möso-Gothischen Tains, eine Gerte, Angels. Tan, und Holländ. Téene her. Allein, da das Wort ehedem unläugbar in weiterer Bedeutung gebraucht wurde, und man selbst noch im Oberdeutschen ein Plankenwerk, oder eine Befriedigung von Bohlen, einen Breterzaun nennet, so scheinet es wohl zu dem Angels. tynan, einschließen, umfangen, zu gehören, welches wieder ein Verwandter von unserm dehnen zu seyn scheinet, und wohin auch das alte Dun, Duoun, besonders an den eigenen Nahmen vieler alten Städte gehören kann, einen eingeschlossenen Ort zu bezeichnen, ob man es gleich gemeiniglich von Dun, ein Hügel, ableitet.
 
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Die Zaunblume, plur. die -n, der Nahme einer Pflanze, welche häufig an den Zäunen wächst, und wegen ihrer glockenförmigen Blume auch Zaunglocke genannt wird, Anthericum Linn.

[Bd. 4, Sp. 1661]



 
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Zäunen, verb. regul. neutr. mit haben, einen Zaun, oder Zäune verfertigen. In den Zusammensetzungen, abzäunen, bezäunen, umzäunen, u. s. f. wird es auch als ein Activum gebraucht.
 
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Das Zaungericht, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, eine Art der niedern Gerichtsbarkeit, welche sich über einen bloßen Hof in eines andern Gebieth erstreckt, so weit nehmlich des Hofes Zaun gehet. Es wird daher auch das Pfahlgericht genannt.
 
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Die Zaungêrte, plur. die -n, Gerten, oder Ruthen, welche zum Ausflechten der Zäune gebraucht werden; Zaunruthen, Zaunstecken.
 
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Die Zaungilge, plur. die -n, S. Adelung Zaunlilie.
 
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Die Zaunglocke, plur. die -n, der Nahme verschiedener Pflanzen, welche mit glockenförmigen Blumen an den Zäunen wild wachsen. Sowohl der Zaunblume, Anthericum Linn. als auch der Zaunwinde, Weißglocke, oder Glockenblume, Convolvulus sepium Linn.
 
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Die Zaunkirsche, plur. die -n, ein Nahme der Heckenkirsche, (S. dieses Wort,) Lonicera Xylosteum Linn.
 
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Der Zaunkönig, des -es, plur. die -e, der Nahme eines kleinen Vogels, welcher zu den Graßmücken gehöret, und sich gern um den Zäunen aufhält; Motacilla Trochlodytes Linn. Er wird auch Zaunschliefer, Nesselkönig, Dornkönig, Schneekönig, Meisenkönig u. s. f. genannt.
 
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Die Zaunlilie, plur. die -n, der Nahme eines Gewächses, mit lilienförmigen Blumen, welches an den Zäunen häufig ist; sowohl einer Art der Zaunblume, Anthericum Liliago Linn. als auch einer Art der Heckenkirsche, Lonicera Periclymenum Linn. Specklilie. Im Oberdeutschen Zaungilge.
 
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Der Zaunpfahl, des -es, plur. die -pfähle, ein in die Erde geschlagener Pfahl, um welchen die Zaungerten geflochten werden, da denn beyde den Zaun ausmachen.